Hummeln streicheln – Max Raabe & Palast Orchester bringen den Glanz der „Goldenen Zwanziger“ ins Bremer Metropol Theater

Mit ihrem aktuellen Programm „Hummeln streicheln“ gastierten Max Raabe & Palast Orchester in der vergangenen Woche bereits zum zweiten Mal für zwei Abende im Metropol Theater Bremen und versetzten das Publikum zurück ins letzte Jahrhundert, in die Zeit der 20er- und 30er-Jahre.

Ein etwas ungewohnter Anblick erwartet uns, als wir den großen Saal des Bremer Metropol Theaters betreten: Die Bühne ist menschenleer, doch der große rote Vorhang ist bereits geöffnet. Angestrahlt von einigen Scheinwerfern thronen dort nur die Instrumente des Palast Orchesters. Funkelnd, ruhig und würdevoll. Die Notenpulte, hinter denen die Musiker später Platz nehmen werden, wirken fast ein bisschen menschlich. Es scheint, als würden sie uns bereits erwarten, herausgeputzt im schönsten Frack, geduldig verharrend bis auch die letzte Person im Publikum Platz genommen hat. Und das dauert eine Weile, denn das Metropol Theater ist an diesem Abend fast komplett ausverkauft. Nicht nur das Parkett und beide Ränge sind gut besucht, selbst die kleinen Balkone sind belegt – ein seltener und auch überraschender Anblick, denn schließlich ist es bereits der zweite Abend und auch nicht das erste Mal, dass die Berliner das aktuelle Programm „Hummeln streicheln“ in unserer Hansestadt präsentieren. Bereits im März 2005 stand Bremen für zwei Abende auf der Tour-Liste.

Pünktlich um acht Uhr betreten Max Raabe und das Palast Orchester dann die Bühne. „Im Programm des heutigen Abends geht es um Liebe, Leidenschaft, chaotische Zustände – und – um Topfpflanzen!“, begrüßt der gelernte Opern-Sänger das Bremer Publikum mit einer kleinen Vorausschau auf die kommenden gut zwei Stunden (plus Pause) und beginnt sodann musikalisch mit „Noch mal von vorn“, gefolgt von „Veronika, der Lenz ist da“. Dass wirklich jede:r der Zuschauenden diesen bekannten Klassiker der Comedian Harmonists aus dem Jahr 1928 kennt, ist sofort klar und wohin man auch schaut, sieht man strahlende Gesichter. Ab diesem Zeitpunkt ist bereits spürbar: Der Abend kann nur gut werden – und genau so ist es dann auch! Wir werden auf eine musikalische Zeitreise mitgenommen und zurück versetzt in die „Goldenen Zwanziger“, mit bekannten nationalen und internationalen Klassikern wie „Bei mir bist du schön“, „Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn“ oder „What a difference a day makes“ aber auch selbstgeschriebenen und von den Fans heißgeliebten Songs, darunter „Fahrrad fahr’n“, „Guten Tag, liebes Glück“ und – selbstverständlich – „Hummel“, nachdem das Tour-Programm ja überhaupt benannt ist. Dieser Mix aus „fremden“ und „eigenen“ Songs ist eine der Besonderheiten der Konzerte von Max Raabe & Palast Orchester und der Grund, weshalb der sympathische Bariton zu jedem angibt, aus welchem Jahr und wessen Feder jener stammt. Dazu lässt der Wahlberliner auch immer wieder längere Ankündigungen zu einzelnen Songs einfließen – stets charmant, oft tiefgründig, mit feinem Humor und wunderbaren Wortwitzen. Zeitlos und gleichzeitig höchst aktuell sinniert der Sänger mal über die „Frühphase eine Beziehung – ein altes Thema! Wie mag die Partnersuche damals ausgesehen haben in der Steinzeit? Angepriesen mit ‚kann Feuer machen und keulen schwingen‘ – also so wie heute!“ oder bei der Anmoderation zu „Vivere“ über „Leben. Das ist der Zustand, der eintritt, wenn das W-LAN ausfällt. Da lernt man interessante Menschen kennen, mitunter auch die, mit denen man seit Jahren verheiratet ist.“.

Ebenso besonders ist das Miteinander von Max Raabe und dem Palast Orchester! Es gibt A-capella-Stücke, bei denen Raabe gesanglich von einigen der Musiker unterstützt wird, oder instrumentale Interlude, bei denen der Sänger auch optisch „zurücktritt“, indem er visuell in den Schatten tritt (der sonst auf ihn gerichtete Scheinwerfer erlischt) und lässig – und doch stets in seiner markanten, graden Körperhaltung – am Klavier lehnt. Dazu kommt die eine oder andere witzige (Inter-)Aktion der Musiker – wenn die Trompeter zum Beispiel den Badewannen-Kapitän visuell darstellen – und ein paar handverlesene Leinwandprojektionen. Der Hauptschwerpunkt liegt aber definitiv auf dem Realen, Menschlichen und Handgemachten – eben kein großes Tamtam und wenn dann nur musikalisch!

Eines meiner Highlights ist ganz klar, wenn Max Raabe mit Violinistin Cecilia Crisafulli in die Pause tanzt: einfach zauberhaft und so romantisch! Und wenn schließlich bei der allerletzten Zugabe (da gab es einige von), jedes einzelne Instrument zu Bett geschickt wird, kann sich das Publikum keine direkte Reaktion verwehren und so war so manches gehauchte „oooooh, (wie süß!)“ zu vernehmen. Ein berührender Abschluss für einen zauberhaften Abend!

Unser Fazit

Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, wenn das Herz „Hach!“ macht?! So ein inneres Aufatmen, als ob das Herz größer wird? Oder wenn ihr im Kino einen wirklich guten Film gesehen habt und erstmal wieder in der Wirklichkeit ankommen müsst? So erging es uns an diesem Abend! Dieses Flair der 20er-/30er-Jahre, der „Goldenen Zwanziger“, zwischen musikalisch-emotional gewaltig und Harmonie in schwierigen Zeiten. Die Musik von Max Raabe und dem Palast Orchester macht einfach gute Laune, sie beschwingt uns, lässt uns Leichtigkeit verspüren und die sowohl charmanten als auch tiefgründigen und mit viel Wortwitz gespickten Anmoderationen Raabes haben uns und das Publikum oft zum Lachen gebracht. Wenn der sympathische Bariton mit seiner, nennen wir es mal „sehr aufrechten Körperhaltung“ bei der Ankündigung von „Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau’n“ beispielsweise kokettiert ein Tiger zu sein, bleibt einfach kein Auge trocken. Gesanglich und musikalisch agieren Max Raabe & Palast Orchester nicht nur auf absolutem Weltklasse-Niveau, sondern auch insgesamt als eine geschlossene Einheit. Auf der Bühne sieht man nicht einfach einen Sänger, der von einem Orchester begleitet wird, sondern eine Symbiose. Man sieht Menschen, die sich seit Jahrzehnten begleiten, Freunde, eine musikalische Familie. Das Palast Orchester agiert miteinander, untereinander und mit Max Raabe – durch Blicke, Huldigungen und synchronisierten Bewegungen. Jedem einzelnen Mitglied ist die Musik- und Spielfreude anzusehen und das überträgt sich auch sofort auf das Publikum. Wer glaubt, ein klassisches Orchester müsse immer steif oder gar langweilig sein, der sollte sich durch dieses unbedingt eines besseren belehren lassen. Alles in allem ein wunderbarer Abend und eine absolute Herzensempfehlung!

Weitere Termine für „Hummeln streicheln“ & neues Programm in 2027

Das Tour-Volumen vom Max Raabe & Palast Orchester ist wirklich beeindruckend! Aber wie könnte man das 40-jährige Bestehen des Palast Orchesters auch besser feiern als auf der Bühne?! Noch bis Mitte Dezember reisen sie mit dem aktuellen Programm „Hummeln streicheln“ kreuz und quer durch die Bundesrepublik und kommen dabei im November auch noch mal ins erweiterte Bremer Umland – genauer gesagt nach Hannover.

  • 13.11.2026, 20:00 Uhr Hannover, Kuppelsaal im HCC
  • 14.11.2026, 20:00 Uhr Hannover, Kuppelsaal im HCC

Nach einer wohlverdienten Weihnachtspause geht es dann im Januar 2027 gleich weiter – mit neuem Programm! Tourstart ist am 14. Januar 2027 in Weimar und auch in Bremen werden Max Raabe & Palast Orchester wieder für zwei Abende vorbeischauen.

  • 30.04.2027, 20:00 Uhr Metropol Theater Bremen
  • 01.05.2027, 20:00 Uhr Metropol Theater Bremen

Welch eine bezaubernde Art in den Mai zu tanzen! Es empfiehlt sich übrigens, frühzeitig Tickets zu kaufen, denn nie zuvor habe ich das Metropol Theater Bremen so voll gesehen wie bei diesem Konzert!

Für Informationen zu allen Terminen und Tickets schaut ihr am Besten bei Eventim oder auf der offiziellen Max Raabe & Palast Orchester-Homepage vorbei.

Und wer sich musikalisch schon einmal auf das neue Programm einstellen möchte, kann über diesen Link den ersten Song „Komm mal her“ vom kommenden, neuen Album auf verschiedenen Plattformen anhören.