Michael Patrick Kelly, vielen „Kindern der Neunziger“ noch als „Paddy“ aus der legendären Kelly Family bekannt und durch TV-Shows wie „Sing meinen Song“ oder „The Voice of Germany“ auch beim jüngeren Publikum präsent, begeisterte am Samstagabend tausende Besucher:innen auf der Galopprennbahn in der Vahr – nur zwei Tage, nachdem dort bereits Mark Forster auf der Bühne stand. Mit einem intensiven, emotionalen und zugleich unterhaltsamen Open-Air-Konzert ließ er über zweieinhalb Stunden lang keine musikalischen Wünsche offen.

Ein Sommerabend zwischen Charme, Humor, Gänsehaut und Hits

Schon mit den ersten Songs „Crossfire“, „The One“ und „Run Free“ zog Kelly das Publikum sofort in seinen Bann. Bei sommerlichen Temperaturen zeigte er sich bestens gelaunt und begrüßte die Menge mit einem Augenzwinkern: „Bremen, ihr seht braun aus – sieht gut aus.“ Auch später griff er das warme Wetter humorvoll auf: „Wir machen nachher noch einen Aufguss – es wird heiß.

Musikalisch spannte der Sänger früh den Bogen zu seinem aktuellen Album „Traces“. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee, welche Spuren Menschen im Leben hinterlassen – und wo sich diese kreuzen. Genau daran knüpft auch der Titel seiner aktuellen Open-Air-Tournee an.

Persönliche Geschichten und große Emotionen

Immer wieder nahm sich Kelly Zeit für persönliche Einblicke. Besonders bewegend war die Geschichte hinter „Calcutta Angel“. Er schilderte, wie ihn ein Fotobuch aus einem Hospiz in Kalkutta tief berührt habe – so sehr, dass er kurzerhand einen Flug dorthin buchte. Diese Erfahrung habe ihn für immer verändert und ihm gezeigt, wo sein Herz hingehört: „Stell dir vor, du bist 25, dir geht es gut, du lebst im Schloss, hast Service-Personal, das sich um alles kümmert – und dann siehst du dieses Fotobuch … Das hat mein Leben für immer verändert.

Auch „The Day My Daddy Died“, einer der persönlichsten Songs des Abends, sorgte mit seiner ausdrucksstarken Stimme für Gänsehaut. Darin verarbeitet Kelly den Tod seines Vaters und teilte eine besondere Erinnerung: Am Tag seines Todes trug sein Vater ein T-Shirt mit der Aufschrift „Viele Menschen treten in Dein Leben, aber nur wenige hinterlassen Spuren!“. Eine Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch den Abend zog.

Einige Songs, die der Musiker im Original gemeinsam mit anderen Künstlern singt, setzte er live mithilfe von Videoeinspielungen um. So wurde etwa Rea Garvey bei „Best Bad Friend“ zugeschaltet, während bei „Wonders“ Rapper Rakim auf der Leinwand zu sehen war.

Nähe zum Publikum als Markenzeichen

Wie publikumsnah und sympathisch der irisch-amerikanische Künstler ist, zeigte sich an diesem Abend immer wieder. Ein besonderes Highlight war die Interaktion mit seinen Fans: Mit seiner Fan-Cam suchte er gezielt den Kontakt zu einzelnen Besucher:innen. So wurde der 14. Geburtstag von Hanna zu einem unvergesslichen Moment – inklusive Ständchen, das der Sänger gemeinsam mit dem Publikum anstimmte, und einem Paar Drumsticks als persönliche Erinnerung.

Auch ein gemeinsames Foto mit einem jungen Fan samt Begleitung sowie eine Videobotschaft an die kranke Freundin einer Konzertbesucherin unterstrichen seine Nahbarkeit. Dabei nahm er sich selbst und seine technischen Fähigkeiten mit einem Augenzwinkern nicht zu ernst: „Kelly und Handy – das wird nix.

Sein Gespür für das Publikum zeigte sich zudem in spontanen Kommentaren wie: „Ich habe noch nie so viele Sonnenbrillen gesehen. Ich weiß jetzt, welches Modell ich mir morgen besorge.“ Solche Momente sorgten immer wieder für Lacher und lockerten die Atmosphäre spürbar auf – und unterstrichen einmal mehr seine Qualitäten als Entertainer.

Auch räumlich suchte Kelly immer wieder die Nähe zu seinen Fans: Für zwei Songs verließ er die große Bühne und begab sich mitten ins Publikum – direkt vor die Tribüne der ehemaligen Galopprennbahn, von der aus früher die Pferderennen verfolgt wurden. Dort, umringt von seinen Fans, spielte er akustisch „I’m on Fire“ und sang gemeinsam mit seinen fünf Musiker:innen den Song „Hope“ sogar a cappella. Ein ruhiger, persönlicher Moment, der die besondere Nähe zum Publikum erneut unterstrich.

Musik, die verbindet und bewegt

Neben aller Unterhaltung setzte Kelly immer wieder ernste Akzente. Besonders eindrucksvoll: „K.H.A.“ (Abkürzung für „Keep Hope Alive“), inspiriert von dem Highway Patrol Officer Kevin Briggs, der über viele Jahre hinweg in San Francisco Menschen davon abhielt, von der Golden Gate Bridge zu springen. Dessen Worte griff Michael Patrick Kelly auf und richtete sie an all jene, die keine Hoffnung mehr sehen: „Die Welt ist kaputt, aber nicht verloren. Don’t give up. Keep hope alive.

Später wurde es still auf der Galopprennbahn: Kelly leitete eine Schweigeminute für den Frieden ein – seit vielen Jahren ein fester Bestandteil seiner Konzerte. Dafür kam die sogenannte „Peace Bell“ zum Einsatz, eine massive Glocke, die aus recyceltem Kriegsmaterial gefertigt wurde, unter anderem aus eingeschmolzenen Panzerteilen und Granathülsen. Dieser Moment setzte einen bewussten Kontrast zur sonst energiegeladenen Show und machte deutlich, worum es Kelly auch geht: nicht um politische Botschaften im engeren Sinne, sondern um Werte wie Zusammenhalt und Menschlichkeit. Mit „Symphony of Peace“, begleitet von einer Videoeinspielung mit Tenor Jonas Kaufmann, wurde die Atmosphäre anschließend musikalisch aufgegriffen.

Starker Abschluss und emotionale Zugaben

Mit energiegeladenen Songs wie „iD“, „O.K.O.“ und „Shake Away“ steuerte das Konzert auf sein Finale zu. Doch das Publikum bekam noch mehr: Als Zugaben folgten „Got Your Back“, das gefeierte „Beautiful Madness“ und „Thank You“. Zum Abschluss wurde es noch einmal ganz ruhig und tiefgründig: „Holy“, inspiriert vom Gedicht „Spuren im Sand“, bildete den emotionalen Schlusspunkt eines Abends voller Bedeutung.

Fazit

Michael Patrick Kelly zeigte in Bremen eindrucksvoll, warum er seit Jahrzehnten auf der Bühne steht: musikalisch vielseitig, emotional authentisch und mit einer besonderen Nähe zu seinen Fans. Zwischen großen Botschaften, persönlichen Geschichten und humorvollen Momenten entstand ein Konzert, das nicht nur unterhielt, sondern spürbar berührte. Oder, wie er selbst am Ende sagte: „Bremen, ihr habt Spuren hinterlassen.