Alter Bridge rocken das Pier 2

Im Rahmen ihrer „What Lies Within“-Tour machte die US-amerikanische Rockband „Alter Bridge“ am vergangenen Donnerstag Halt im Bremer Pier 2 und begeisterte ihre treue Fangemeinschaft.

Als ich beim Pier 2 ankam, wirkte die Location zunächst richtig voll – was mich sehr für Künstler und Veranstalter freute. Denn auch Jahre nach Corona ist die Auftragslage in der Musikbranche leider noch immer angespannt: Viele Konzerte müssen in kleinere Hallen umziehen oder sogar ganz abgesagt werden, weil zu wenige Tickets im Vorverkauf abgesetzt wurden, um die Kosten zu decken. Auf der anderen Seite sind andere wiederum innerhalb weniger Minuten ausverkauft und erzielen horrende Preise auf dem Zweit- oder Schwarzmarkt – zumindest sind mir diese beiden Extreme in den letzten Monaten besonders aufgefallen.

Das Konzert von Alter Bridge bewegte sich an diesem Abend irgendwo dazwischen. Dass es nicht ausverkauft war, wusste ich bereits. Umso ernüchternder war jedoch, dass auch die zweite Ebene der Location komplett geschlossen blieb und damit den zunächst positiven Eindruck etwas trübte. Aus Fan-Sicht besonders schade: Oben hat man nicht nur die beste Sicht, sondern auch die Möglichkeit zu sitzen. Letztlich ließ sich das jedoch nicht ändern – also musste man sich also unten arrangieren.

Support: Cardinal Black

Der Konzertbeginn war mit 19:30 Uhr relativ früh angesetzt. Pünktlich auf die Minute kam der Vor-Act, die walisische Blues- und Soul-Rockband Cardinal Black, auf die Bühne. Das Trio, bestehend aus Sänger Tom Hollister, Gitarrist Chris Buck und Schlagzeuger Adam Roberts, war kürzlich noch selbst als Headliner ihrer „Midnight At The Valencia“-Tour u. a. in Deutschland unterwegs und begleitet Alter Bridge aktuell anstelle von „Daughtry“ (die ihrerseits derzeit durch das UK touren) als Support. Im Anschluss führen sie ihre eigene Tour durch die USA und Kanada fort.

Das allein zeigt eigentlich schon, dass dort eine Band auftrat, die bereits einiges vorzuweisen hat und kein kompletter Newcomer ist. Mit ihrem quasi permanent „on the road“ sein hat sich Cardinal Black zudem in den letzten Jahren eine treue Fanbase erspielt. Sie traten schon in der ausverkauften Royal Albert Hall in London als Vorband von Peter Frampton auf und diverse Musik-Medien feiern sie als „Live-Sensation“. Obendrein hat Gitarrist Chris Buck in der Musikbranche und bei Fachmedien bereits viel positive Aufmerksamkeit erzielt, u. a. gewann er 2017 den „Music Radar’s Best New Guitarist Award“ und Gitarren-Legende Slash betitelte ihn einst als einen seiner Lieblingsgitarristen. Am Donnerstagabend wurde das Trio live außerdem vom Jazz-Pianisten Michael Blanchfield am Keyboard und Bassist Sam Andrews unterstützt.

Der Großteil des Bremer Publikums schien an jenem Abend zum ersten Mal von Cardinal Black zu hören. Und so leid es mir tut, aber anfangs wirkte es nicht so, als ob der Funke zünden würde. Diesen Eindruck hatte ich zumindest am hinteren Ende der Halle, wo die Menschen mehr mit Schwatzen, Bier holen und Merch kaufen beschäftigt waren, als mit dem Geschehen auf der Bühne. Ich beschloss daher, die eigentlich recht gute Sicht auf die Bühne aufzugeben und mich mehr nach vorne in die Menge zu begeben und zu checken, ob die Stimmung dort eine andere, hoffentlich bessere sei. Schließlich stand ich ziemlich weit vorne am äußeren linken Rand und muss traurigerweise sagen: Auch dort überzeugte mich die Aufmerksamkeit des Publikums leider gar nicht. Schade! Nicht nur, weil ich es den Künstlern auf der Bühne gegenüber respektlos empfinde, wenn man die ganze Zeit redet anstatt zuzuhören (stört mich persönlich wesentlich mehr als Menschen, die Fotos machen oder mit ihren Handys filmen), sondern auch, weil Cardinal Black wirklich richtig gut waren! Zum Glück hatten die aber wiederum richtig Spaß auf der Bühne und ließen sich in ihrer Spielfreude auch überhaupt nicht beirren – was sich dann langsam aber sicher auch aufs Publikum übertrug. Vielleicht brauchten die Zuhörenden aber auch einfach nur etwas Aufwärmzeit, denn die Musik von Cardinal Black ist sehr soulig – eine Mischung aus warmem Blues, Classic Rock und Southern-Soul – und unterscheidet sich somit doch recht stark von Alter Bridge, die halt eher für härtere Töne bekannt und im Bereich Hard Rock und Heavy Metal zuhause sind. Daughtry wäre musikalisch definitiv näher dran gewesen. Cardinal Black spielten einen Mix aus Songs ihrer beiden Studio-Alben „January Came Close“ und „Midnight at The Valencia“ und legten den Fokus dabei eher auf ihre schnelleren Songs wie „Morning Light“, „Holding My Breath“ und „Where Do You Go“. Als die Band nach ziemlich genau einer halben Stunde die Bühne verließ, hatten die Vollblutmusiker trotz allem die Menge nicht nur mehrfach zum Mitsingen bewegen können, sondern auch doch noch den ein oder anderen neuen Fan dazugewonnen.

Alter Bridge – Highlights aus 22 Jahren Bandgeschichte

Ungefähr 20 Minuten dauerte die Umbauphase nach dem Bühnenabgang von Cardinal Black – was mir ungewöhnlich lang vorkam. Doch endlich erlosch das Licht und es setzte ein Intro ein, welches einem musikalischen Countdown gleichkam – dunkel und wie aus der Magengrube kommend schwollen Intensität und Lautstärke immer mehr an, bis Alter Bridge nach gut einer Minute endlich auf die Bühne kam und sofort mit „Silent Divide“ vom aktuellen Self-titled-Album (VÖ 09.01.2026) lospreschte. Harte Gitarrenriffs, dröhnender Bass und Drums on point – das war gleich mal „bäm in your face“. Dazu Myles Kennedys unverwechselbare vier Oktaven umfassende Tenor-Stimme – die Fans waren sofort am Start und Kennedy machte gleich bei diesem Opener mit seiner Zwischenansage „I can hear you!“ klar, dass dies ein Konzert mit Interaktion werden würde. Neben Kennedy, der bis 2002 Frontman und Leadsänger von „The Mayfiled Four“ war, besteht die Band im Übrigen aus den vier (Ex-)„Creed“-Mitgliedern Mark Tremonti (Gitarre und Gesang), Brian Marshall (Bassgitarre) und Scott Phillipps (Schlagzeug). Allesamt sind bereits jenseits der 50 – Kennedy wird im November diesen Jahres bereits zum sechsten Mal nullen – doch abgesehen von ein paar witzelnden Sprüchen des sympathischen Sängers war keinem von ihnen das Alter auf der Bühne anzumerken. Im Gegenteil, das Quartett zeigte eine Wahnsinnsenergie und Bühnenpräsenz, von denen sich viele jüngere Kollegen gerne die ein oder andere Scheibe abschneiden dürften! Im Laufe des Abends spielten Alter Bridge 15 Songs (inklusive zweier Zugaben), davon vier vom aktuellen Album („Silent Divide“, „Tested and Able“, „What Lies Within“, „Playing Aces“). Des Weiteren gab das Quartett einen Mix der bekanntesten Songs quer durch alle Studio-Alben (bis auf „The Last Hero“) ihrer 22-jährigen Karriere zum besten. Eines der Highlights war auf jeden Fall „Blackbird“ vom gleichnamigen Album, welcher als erste Zugabe gespielt und vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Besonders war auch die Darbietung von „Burn It Down“. Der Song vom Debütalbum „One Day Remains“ wurde von Mark Tremonti gesungen, der mit seiner Bariton-Stimme nochmal einen ganz anderen Vibe reinbrachte. Bei „Watch Over You“ tauschte Kennedy – im Übrigen nicht zum einzigen Mal an diesem Abend – E-Gitarre gegen Akustikgitarre ein und sorgte damit für Gänsehautstimmung. Ganz allgemein war es faszinierend, wie viele verschiedene (Bass-)Gitarren die Band an diesem Abend nutzte. Nach gut 1,5 Stunden verabschiedeten sich Alter Bridge von ihrer glücklichen Fan-Meute mit dem Song „Isolation“ – ein würdiger Abschluss für einen glorreichen Abend.

Fazit

Ich hatte das Gefühl, dass das Publikum im Pier 2 anfangs sehr irritiert von Cardinal Black war, weil deren Musik sich doch ziemlich von Alter Bridge unterscheidet. Und ich gebe zu, ich war im Vorfeld enttäuscht, dass Daughtry nicht als Vorband in Bremen dabei sein würde, denn ich hatte sie im Frühjahr knapp verpasst und es wäre wirklich der Hammer gewesen, sie nun doch noch live zu sehen. Aber letzten Endes kann ich sagen, dass ich nun mit Cardinal Black eine richtig tolle neue Band für mich entdeckt habe! Die drei (an diesem Abend eigentlich fünf) gefielen mir einfach wirklich richtig gut und haben mich absolut überzeugt! Das Stimmvolumen von Tom Hollister und seine Range waren einfach mega – ich hatte prompt meine amerikanische Gospel-Family im Ohr mit so einem inneren „sing, man!“ – und ich musste auch sofort lauthals mitsingen, als Hollister dazu aufforderte. Das hat einfach richtig Spaß gemacht. Pub-Feeling auf großer Bühne würde ich sagen. Und Spaß hatten auch die Jungs auf der Bühne, das hat man gesehen und gespürt. Selbst anfangs, als das Publikum noch nicht so aufmerksam war, haben Cardinal Black sich nicht beirren lassen und mit ihrer Spielfreude und Wärme sowie grandiosem Können schließlich einige neue Fans gewinnen können – was ich später über Social Media gesehen habe und mich sehr gefreut hat. Sie haben es einfach so verdient! Chris Buck an der Gitarre war auch schlichtweg überragend! Und das meine ich lediglich bezogen auf die Qualität, nicht darauf, dass er den Rest der Band irgendwie überspielt hätte! Denn das war nie der Fall. Seine Zwischensoli waren einfach so beeindruckend und mitreißend, einerseits herausstechend und andererseits Teil des Band-Gesamtkonstrukts. Darüber hinaus haben die drei auf der Bühne sowohl miteinander als auch mit dem Publikum viel agiert – sowas mag ich halt einfach immer sehr! Von daher würde ich schon Cardinal Black an sich von Herzen jedem empfehlen!

Auch Alter Bridge haben mich absolut überzeugt und mitgerissen! Und ich war wirklich positiv überrascht, wie sehr sich das Publikum wandelte, kaum dass sie die Bühne betreten hatten! Da war nichts mehr mit Unaufmerksamkeit, ganz im Gegenteil! Die Band wurde frenetisch bejubelt. Die Fans zeigten sich textsicher und sangen mehrfach lautstark mit. Und einige Rocker schwangen sogar das Tanzbein – damit meine ich nicht nur das klassische Headbangen oder „mit einer Hand ein Bier halten, die andere in die Luft gestreckt, Kopfnicken und einen Fuß tappend“, sondern so richtig! An den Shirts und Kutten, die die Fans so trugen, konnte man auch wunderbar sehen, wie lange die Fanliebe schon jeweils zelebriert wurde und da kamen so einige Jahre und Touren zusammen. Neben der unfassbaren Bühnenpräsenz irgendwo zwischen ruhig und humble (Myles Kennedy) und „ich spring dir gleich ins Gesicht“-Körpersprache (Mark Tremonti) und überragendem musikalischen Können hat mich vor allem die Interaktion auf der Bühne, untereinander und mit dem Publikum begeistert. Ich habe noch nie gesehen, dass eine Band während und nach dem Auftritt so viel in die Menge geschmissen hat (Plektrons, Drumsticks, Setlisten etc.) und damit so viele Fanherzen glücklich gemacht hat wie Alter Bridge an diesem Abend!

Weitere Termine

Falls ihr euch gerne selbst noch von den Live-Qualitäten von Alter Bridge oder und / oder Cardinal Black überzeugen möchtet, habt ihr diesen Monat noch einmal in Leipzig die Chance – Tickets für den gemeinsamen Konzertabend gibt es derzeit noch bei EVENTIM.

  • 16.06.2026, 19:30 – Leipzig, Haus Auensee

Cardinal Black treten im Oktober außerdem noch in Kaiserslautern beim „Kammgarn Int. Blues Festival“ auf – auch für diese Veranstaltung gibt es noch Tickets bei EVENTIM.

  • 17.10.2026 – Kaiserslautern, Kammgarn