Am vergangenen Sonntag gastierte die Grammy-prämierte Sängerin Joss Stone im Rahmen ihrer „UK & Europe Summer Tour 2026” im Metropol Theater Bremen und brachte den Soul in unsere schöne Hansestadt.
Wenn ich den Namen „Joss Stone” höre, muss ich immer automatisch lächeln. Ich kann gar nicht genau sagen, warum, aber mit der britischen Sängerin verbinde ich ausschließlich positive Vibes. Vielleicht liegt es ein bisschen an der Nostalgie der frühen 2000er, die rückblickend eigentlich gar nicht immer so toll waren, in der Erinnerung aber gerne mal verklärt werden. Damals, 2003/2004, feierte Joss Stone in Deutschland ihren Durchbruch. Vielleicht sind es aber auch einfach Stones Charme und ihre positive Ausstrahlung, die mich jedes Mal verzaubern. Sie scheint immer zu strahlen. Ich kann mich in all den Jahren an keinen einzigen Skandal oder einen TV-Auftritt oder ein Interview erinnern, bei dem sie nicht gelächelt hätte. Und es wirkt nie aufgesetzt, sondern immer echt. Wenn Joss Stone barfuß und in luftigen Kleidern die Bühne betritt, bringt sie gefühlt immer den Sommer und Leichtigkeit mit – egal, ob im Winter bei der „Night of the Proms” oder bei aktuell um die 30 °C.
Mit so viel positiver Vorfreude war die Gefahr natürlich groß, wieder mit sehr hohen Erwartungen in den Konzertabend zu starten. Aber ich habe aus meinen Erfahrungen beim Tori-Amos-Konzert im Mai dazugelernt und mich zwar auf den Abend gefreut, ihn aber dennoch relativ neutral auf mich zukommen lassen. Und das war genau richtig, denn das Einzige, was ich Negatives (oder eher Trauriges) über diesen Abend sagen kann, ist: Es war leider viel zu leer.
Überraschender Support-Act: Stefan Mahendra

Das Konzert war mit 19:30 Uhr wieder einmal recht früh angesetzt. Ich wusste allerdings auch nicht, dass es einen Voract geben würde. Ein Blick durch den Saal verriet mir jedoch schnell, dass ich nicht die Einzige war, die überrascht war, als kurz nach halb acht zwei charismatische junge Musiker die Bühne betraten: R&B- und Soul-Sänger Stefan Mahendra aus London, begleitet von Al Wreaves an der Gitarre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass bis dahin niemand im Publikum die beiden kannte, und ebenso, dass sie kaum jemand so schnell vergessen wird. Ihr Auftritt war einfach wunderschön und hat mich extrem geerdet. Der Saal des Metropol Theaters Bremen hat an sich schon eine gewisse intime Atmosphäre, aber als Mahendra und Wreaves nebeneinander auf der Bühne saßen, fühlte ich mich instant in ein Wohnzimmerkonzert oder alternativ in einen kleinen Jazzclub versetzt. Es war wunderbar persönlich, und Mahendra hat eine wunderschöne, warme, soulige Stimme. Ich musste sofort wieder an meine Gospel-Family denken und war daher auch nicht überrascht, bei meinen Recherchen zu lesen, dass er bereits in jungen Jahren eine Vorliebe für Gospelmusik entwickelt hat. Das hört man einfach! Und ich liebe es sehr. Mahendra punktete aber nicht nur mit seiner wunderbaren Stimme und tollen Songs, sondern auch mit seiner super sympathischen Art und einigen Deutschkenntnissen. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus Sri Lanka, und so plauderte er zwischen seinen Songs teils auf Englisch, teils auf Deutsch mit dem Publikum, als wären es lauter gute Freunde – Wohnzimmerfeeling at its best halt! Am meisten habe ich aber seine Entstehungsgeschichte zum Song „Too late” gefeiert: „My teacher once told me: ‚Don’t do music. You suck at it.‘“ And I replied: ‚Ok. But I’ll do it anyway, because I love it and it’s my passion!” Ich liebe es, wenn Menschen ihrer Leidenschaft folgen und das tun, was sie lieben. Und noch mehr liebe ich es, wenn sie damit Erfolg haben – wie auch immer dieser am Ende aussehen mag. Während des circa halbstündigen Sets präsentierten Stefan Mahendra und Al Wreaves Songs von Mahendras EP „Home Sweet Home“ sowie das Carol-King-Cover „You’ve Got a Friend in Me“. Und auch das Publikum wurde immer wieder zum Mitsingen animiert.
To Stefan: THANK YOU! I’m so glad you didn’t listen to your teacher. Keep up the good work and prove him wrong.
To Al: I hope you’ll join Stefan when he keeps his promise! 😉 You two are a great match.



Joss Stone – vom Wohnzimmerfeeling zur fetten Soul-Party
Die Umbauphase kam mir persönlich wieder etwas zu lang vor. Aber die Gäste blieben entspannt. Ein Großteil von ihnen nutzte die Zeit, um schnell noch etwas zu trinken – bei diesen ungewöhnlich heißen Temperaturen sehr wichtig! Und auch die eine oder andere Platte von Mahendra fand bereits den Weg vom Merchandise-Stand in den Saal. Als dann kurz vor halb neun erst das Ensemble und schließlich Joss Stone selbst die Bühne betraten, war sofort klar: Dieser Abend würde pure Lebenslust verkörpern! Gefühlt von 0 auf 100 startete die Soul-Party mit einem Medley aus Stones größtem Hit „You Had Me”, „Bring on the Rain” und „Disco”. Anschließend ging Stone sofort mit ihren Fans in Kommunikation und später auch auf Tuchfühlung. Sie lud zum Mitsingen und Tanzen ein, schüttelte von der Bühne aus Hände in der ersten Reihe und begab sich schließlich sogar ins Publikum – so weit es die fest verbauten Sitzreihen zuließen. Ich glaube, das habe ich im Metropol Theater tatsächlich zum ersten Mal gesehen, und ich fand es ausgesprochen sympathisch. Ein Weltstar zum Anfassen! Joss Stone interagierte generell sehr viel: Auf der Bühne mit ihrer sechsköpfigen Band (Trompete, Saxophon, Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug) und ihren drei Backgroundsängerinnen sowie mit den Zuschauenden im Saal. Neben diversen Songs von verschiedenen Alben ihrer rund 25-jährigen Karriere – darunter „Super Duper Love” („The Soul Sessions”, VÖ 16.09.2003) oder „Tell Me Bout It” („Introducing Joss Stone”, VÖ 09.03.2007) – präsentierte sie dem Bremer Publikum auch neue, bisher unveröffentlichte und teilweise sogar noch im Entstehungsprozess befindliche Songs. Einer davon war „Dancing Days”, in dem sie den Verlust eines guten Freundes verarbeitete („I recently lost somebody close. Funny person. The dark circle type … I realized, I don’t want to get over him, lose him, so I keep him in my music.“) Ein anderer war die bewegende Soul-Hymne „This Too Shall Pass”. Beide Songs kamen in Bremen sehr gut an und machen Lust auf das kommende neunte Studioalbum, das voraussichtlich 2027 erscheinen soll. Generell war die Stimmung im Saal sehr ausgelassen. Auch wenn der Abend nicht ausverkauft war, wurden Joss Stone und ihre Crew doch mit großer Zuneigung belohnt. Immer wieder gab es Standing Ovations, jubelnde Zwischenrufe und lautstarken Applaus vom Bremer Publikum. Nach einer gefeierten Zugabe verteilte Joss Stone nach gut 90 Minuten einige Sonnenblumen an die Fans, die daraufhin beschwingt in den noch immer heißen Sommerabend entschwanden.
Fazit

Unfassbar gut!!!
Ich könnte das einfach so stehen lassen, aber das wäre nicht ich … Also ausführlich und ganz ehrlich: Wer mich am Sonntagabend nach dem Konzert getroffen hätte, hätte gedacht, ich sei auf Drogen gewesen. Einfach, weil ich so voller Glückshormone war. Noch immer bin. Ich war relativ spontan beim Konzert und etwas gestresst, was ohnehin schon keine gute Kombination ist und für neurodivergente Menschen noch spezieller ist. Trotzdem war ich einfach überwältigt! Es passte an diesem Abend einfach alles: Der Ton war super, das Publikum war entspannt und freundlich zueinander – ebenso wie das Personal vom Metropol Theater. Viele der anwesenden Damen hatten sich ein Beispiel an Joss Stone genommen und trugen wunderschöne Sommerkleider. Das ist mir im Metropol Theater übrigens schon öfter positiv aufgefallen: Die Zuschauenden kleiden sich dort oft passend zum jeweiligen Anlass. Der Auftritt von Stefan Mehandra und Al Wreaves war, wie bereits gesagt, wunderbar. Sie haben mich sowohl mit ihrem technischen Können und den übertragenen Emotionen als auch mit ihren Aktionen, ihrem Miteinander auf der Bühne und mit dem Publikum absolut überzeugt und berührt. Das Gleiche gilt für Joss Stone und ihre gesamte Crew. Jeder einzelne Musiker war unfassbar gut und durfte das in Soloparts zeigen. Die Stimmen der Backgroundsängerinnen waren überragend! Jede von ihnen hätte auch alleine einen Konzertsaal füllen können. Ich habe wirklich selten so viel geballte musikalische und gesangliche Qualität auf einer Bühne versammelt gesehen. Das Spannendste daran ist, dass sie trotzdem auch gemeinsam funktioniert haben! Einzeln und zusammen. Oft funktioniert nur das eine oder das andere, aber bei diesem Ensemble ging beides. Und Joss Stone hat diese geballte Qualität noch übertroffen und sich gleichzeitig auch darin eingefügt. Wenn eine ihrer Backgroundsängerinnen einen Solopart übernahm, ging sie ganz selbstverständlich in den Backgroundchor über. Wenn einer der Musiker einen Solopart hatte, tanzte Stone ausgelassen im Hintergrund. Einfach super schön! Ich kann nicht beurteilen, ob sie hinter der Bühne vielleicht Star-Allüren hat, auf der Bühne hatte sie definitiv keine! Sie ist ein Star zum Anfassen. Zudem war sie stets darauf bedacht, alle mit einzubeziehen – auch am Ende der Show, als sie noch Sonnenblumen in die Menge warf. Links, rechts, Mitte – sie achtete darauf, alle Seiten möglichst gleich mit ihrer Aufmerksamkeit zu beschenken. Alles in allem war es ein wunderschöner Abend voller Emotionen und purer Lebenslust. Wer nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst!









