Im Rahmen seiner aktuellen „Sommertour 2026“ besuchte Gregor Meyle am vergangenen Sonntag die Seebühne Bremen. Ein Abend, der nicht nur die Herzen der anwesenden Fans erfüllte, sondern auch deren Lachmuskeln ordentlich forderte.
Es war ein sehr ausgelassener und fröhlicher Abend, so viel kann ich vorwegnehmen. Schon beim Betreten der Bühne alberten Gregor Meyle und seine neunköpfige Band ausgelassen herum und versprühten sofort gute Laune. Einen derart sympathischen Auftakt habe ich definitiv noch nicht erlebt. Bereits beim ersten Song „Dann bin ich zuhaus’“ wurde das Publikum mit einbezogen und direkt im Anschluss wurde die Band erstmals kurz vorgestellt. „Wir-Gefühl“ – das wäre ein Schlagwort, das über dem ganzen Abend stehen könnte. Oder auch: Gemeinschaft, Spaß, Leichtigkeit.
Highlights und Anekdoten aus fast 20 Jahren Musikkarriere
Die meisten Menschen verbinden Gregor Meyle vermutlich noch mit der VOX-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“, bei der er 2014 Teilnehmer der ersten Staffel war – neben Stars wie Sarah Connor und Roger Cicero. Der Erfolg der Sendung verhalf ihm damals zum endgültigen Durchbruch: Sein kurz darauf erschienenes viertes Album „New York – Stintino“ stieg in die Top Ten der deutschen Charts ein und auch die drei Vorgängeralben erlebten eine Renaissance in den Charts. Sein Song „Keine ist wie du“, den er natürlich auch auf der Seebühne sang, erreichte sogar Platz 2 der deutschen Singlecharts. Einem großen Publikum war er jedoch bereits Jahre zuvor durch seine Teilnahme an der von Stefan Raab moderierten „TV-Total“-Castingshow „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ (Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf) im Jahr 2007 bekannt geworden. Im Finale 2008 musste er sich letztendlich nur der Siegerin Stefanie Heinzmann geschlagen geben. Beide TV-Shows erwähnte Gregor Meyle bei seinem Auftritt auf der Seebühne Bremen immer wieder – in Form kleiner Anekdoten, beim Vorstellen seiner Bandmitglieder, die er teilweise damals kennengelernt hatte, und einfach auch als Rückblick auf seinen musikalischen Werdegang und aus spürbarer Dankbarkeit heraus.
Musikalisch spannte Meyle einen weiten Bogen – von einer schnelleren Version des Titelsongs seines 2008 erschienenen Debütalbums „So soll es sein“, über „Wunder“ („Meile für Meyle“, 2012), „Such keinen anderen“ („New York – Stintino“, 2014) und „Pack dein Scheiß“ („Die Leichtigkeit des Seins“, 2016) bis hin zu Songs seiner beiden aktuellen Alben „Individualität“ (2024, Studioalbum) und „Eine Nacht in Hamburg (Unplugged)“ (2025, Livealbum). Damit schuf er eine wunderbare Mischung aus alten und neuen Songs und gab einen umfassenden Einblick in sein bisheriges musikalisches Lebenswerk. Mich hat dabei besonders überrascht, wie viele musikalische Genres Meyle und seine Band in all den Jahren ausprobiert haben: Von Reggae über Big-Band-Feeling bis hin zu irischer Folklore war alles dabei. Das hatte ich bei dem deutschsprachigen Singer-Songwriter tatsächlich nicht erwartet, aber umso mehr gefeiert.
Was ich ebenso nicht erwartet hatte, waren die Comedy-Qualitäten von Gregor Meyle. Ich kann mich an kein Konzert erinnern, bei dem auf der Bühne so viel geredet wurde. Über diesen Punkt scherzte der Sänger selbst des Öfteren. Es war jedoch nie störend, nervig oder wirkte aufgesetzt – im Gegenteil! Es war super sympathisch, nahbar, bodenständig, berührend und teilweise unfassbar witzig. Schon recht früh am Abend vergaß er den Text von „Mein echtes Leben“. Ob gespielt oder echt – es brauchte tatsächlich mehrere Anläufe, bis der Song wirklich erfolgreich begonnen und durchgesungen werden konnte. Vermutlich auch, weil die Künstler:in auf der Bühne selbst kaum aus dem Lachen kamen. „Mist, Text vergessen…ich hatte 3 Espresso, ich war so müde und jetzt ist mein Kopf schneller als die Band…das geht ja gut los!“ kommentierte Meyle seinen Fauxpas. Vielleicht regulierte ihn der Vierte, den er im Laufe des Abends auf die Bühne gebracht bekam – da saß dann auch wieder die korrekte Pluralform. Bei allem Rumgeflaxe blieb dennoch auch stets Raum für die leisen, emotionalen Töne. Meyle schaffte es jedoch stets, diese nicht in eine emotionale Schwere abgleiten zu lassen, sondern sie mit Positivität und Leichtigkeit zu vermitteln. Nach „Hier spricht dein Herz“ fügte er hinzu: „Wir halten alle kurz die Hand auf unser Herz und denken einmal an die Menschen, denen es nicht so gut geht. (STILLE) Danke euch!“ Bei der Ankündigung von „Keine ist wie du“ bat er das Publikum um Präsenz: „Ich empfehle euch, lasst den Griff zum Handy und den Blick durch den Monitor. Seid mit uns.“ Die meisten hielten sich daran. Auch bei der letzten Zugabe, die Meyle und Band rein akustisch auf der Flusstreppe inmitten des Publikums spielten, bat der Sänger darum die Handys aus zu lassen – schönster Konzertabschluss und Seebühne-Moment ever!
Meyles Band – das „Who’s Who“ der deutschen Live-Musiker.
Wie bereits erwähnt, stand Gregor Meyle nicht allein auf der Bremer Seebühne. Ganz im Gegenteil! Gleich acht hochkarätige Musiker und eine wundervolle Backgroundsängerin begleiteten ihn. Mit dem Großteil von ihnen spielt Meyle schon seit fast 20 Jahren zusammen. Die große Ausnahme an diesem Abend war Max Seibert, der die Trompete spielte. Er war erst zum zweiten Mal dabei, meisterte seine Aufgabe aber grandios! Schon als die Musiker die Bühne betraten, fiel mir ein bekanntes Gesicht auf: Dominik Krämer, der jahrelang Bassist der „Heavytones“ war. Sängerin Lena Belgart, die 2021 bei „The Voice“ noch als Kandidatin mitwirkte und inzwischen als Backgroundsängerin und Gesangslehrerin arbeitet, bezauberte mit ihrer wunderbar warmen, gefühlvollen Stimme. Auch Gitarrist Markus Vollmer überraschte mit ausgezeichneten Gesangseinlagen. Wirklich jeder der Musiker überzeugte durch herausragendes Können, welches immer wieder durch eigene Soli unter Beweis gestellt und gefeiert wurde. Die Liste der Stars, die sie bereits auf Tour oder im Studio begleitet hatten, schien schier endlos – alle Größen der deutschen Poplandschaft waren darauf vertreten. Mein Favorit war aber eindeutig Christian Herzberger an der Violine, auch bekannt als „Crazy Fiddler“.
- Lena Belgart – Backgroundsängerin
- Markus Vollmer – Gitarre & Gesang
- Chris Német – Keyboard
- Axel Müller – Saxofon
- Max Seibert – Trompete
- Franz Johannes Goltz – Posaune
- Söhnke Reich – Schlagzeug
- Dominik Krämer – Bass
- Christian Herzberger – Violine
Fazit
Ich war zum ersten Mal auf einem Konzert von Gregor Meyle und es war wirklich super! Es stimmte einfach alles – sowohl musikalisch als auch menschlich. Die Band war eine unbestrittene Einheit, hatte wahnsinnig viel Spaß auf der Bühne und interagierte permanent mit dem Publikum. Meyle forderte immer wieder Extra-Applaus für seine Band und seine Backgroundsängerin Lena ein – und das zu Recht, denn alle waren wirklich unfassbar gut! Für die Künstler:innen auf der Bühne tat es mir zwar leid, dass die Tribünen komplett unbesetzt geblieben waren. Für die anwesenden Fans entstand dadurch aber eine ganz besondere, intime Atmosphäre – es war wirklich, als säße man gemeinsam im Wohnzimmer. Nur dass dieses eben die Seebühne war. Als Gregor Meyle und seine Band den Abend mit einem Akustik-Song auf der Flusstreppe mitten im Publikum abschlossen, haben sie mir persönlich den bisher schönsten Seebühnen-Moment beschert. Wer dieses Konzert versäumt hat, hat meiner Meinung nach wirklich etwas verpasst! Es war definitiv eines meiner persönlichen Highlights dieses Jahr.
Tipp:
Gregor Meyle ist zwar noch bis Ende August mit seinem aktuellen Programm unterwegs, jedoch sind die kommenden Termine ziemlich weit weg gelegen. Aber ein kleiner Trost, für alle, die das Konzert auf der Seebühne verpasst haben: Bereits ab Oktober ist der sympathische Singer-Songwriter wieder live mit „UNPLUGGED – Das Wohnzimmerkonzert“ zu erleben. Dabei kommt er auch ins Bremer Umland:
- 22.10.2026, 20:00 Uhr Hamburg-Harburg, Friedrich-Ebert-Halle
Außerdem wurden vor Ort weitere Termine für 2027 angekündigt. Gregor Meyle verkündete, dass er auch wieder nach Bremen kommen würde, wenn ich mich richtig erinnere, am 8. April. Diesen Termin konnte ich online bisher jedoch nicht entdecken. Aber ich finde, wir nehmen ihn einfach mal beim Wort! Und natürlich halten wir euch auf dem Laufenden. Ansonsten wäre der nächstgelegene Gig in Uelzen.
- 16.04.2024, 20:00 Uhr Uelzen, Theater an der Ilmenau









