Gregory Porter zurück auf der Seebühne

Gregory Porter auf der Seebühne Bremen

Nach zweijähriger Pause beehrten Grammy-Gewinner Gregory Porter und seine Band am vergangenen Dienstag endlich wieder die Seebühne Bremen und begeisterten neue und alte Fans gleichermaßen.

Auf dieses Konzert hatten wir uns schon lange im Vorfeld gefreut, denn das letzte Mal war uns aus vielerlei Gründen noch sehr positiv in Erinnerung. Als Gregory Porter vor zwei Jahren auf der Seebühne Bremen auftrat, waren wir zum ersten Mal bei einem Konzert vor Ort. Die im Sommer jeweils temporär aufgebaute Location veranstaltete damals ihre vierte Saison, galt aber noch ein wenig als Geheimtipp. Das Ambiente und die sehr gute Organisation haben uns von Anfang an beeindruckt und mit der Musik von Porter plus perfektem Sonnenuntergang war der Abend damals einfach magisch – direkt wie aus einer Hollywood-Kulisse. Dementsprechend lag die Erwartungsmesslatte wieder mal recht hoch – und Spoiler: Wir wurden definitiv nicht enttäuscht!

Gregory Porter auf der Seebühne Bremen
Gregory Porter auf der Seebühne Bremen
Gregory Porter auf der Seebühne Bremen

Same same but different

Da Gregory Porter und seine Band gewissermaßen Wiederholungstäter bei der Seebühne waren – was definitiv auch immer mit für die Venue spricht – ließen sich gleich mal ein paar Gemeinsamkeiten feststellen: (fast) dieselbe Besetzung, dieselbe Location, sogar derselbe Monat und ähnliches Wetter (sonnig, trocken, aber ziemlich kalt) – aber andere Umstände. Vor zwei Jahren hatte das Konzert nämlich erst nach rund einstündiger Verspätung beginnen können, da die Künstler unfassbar viel Pech bei der Anreise gehabt hatten. Dagegen waren die knapp 10 Minuten, die das Bremer Publikum in diesem Jahr wartete, quasi nur ein Wimpernschlag. Schon beim Gang zur Bühne wurden Sänger und Musiker genauso herzlich mit Applaus und freudigen Rufen begrüßt wie damals.

Gregory Porter auf der Seebühne Bremen
Gregory Porter auf der Seebühne Bremen

Die Setlist war ähnlich wie vor zwei Jahren, da natürlich viele der bekanntesten und beliebtesten Klassiker auf dem Programm standen, und dennoch nicht identisch. Sie war stimmig, teilweise überraschend und bot wie gewohnt Raum für spannende Arrangements und Instrumenteninterludes. Dazu gab es den ein oder anderen Lacher während der Song-Ansagen. Gregory Porter begann den Abend mit einem seiner bekanntesten Songs „Holding on“, der – wie er danach augenzwinkernd verriet – von einigen Bremer Fans während seines Stadtbummels am Vortag beinahe schon eingefordert worden war: „I was walking through the center of the town yesterday and I met a lot of you, actually. That was quite funny when they said ‚See you tomorrow!‘. Some even demanded „Holding on“. It’s an honour to be back and a nice place to perform in front of the water.“ Für die perfekte Überleitung zu seinem zweiten Song „Concorde“ fügte er hinzu: „I like travelling but there’s no place like home.“

Bei seinem dritten Song „On my way to Harlem“, einer mitreißenden Uptempo-Jazz-Nummer, durfte die Band – Albert „Chip“ Crawford (Klavier), Emanuel Harrold (Schlagzeug), Jahmal Nichols (Kontrabass), Ondřej Pivec (Hammond-Orgel), Scooter Brown (Saxophon) – erstmals so richtig zeigen, was sie drauf hat und sich in einigen Instrumentensoli austoben. Genau dafür liebe ich Jazz-Musik, für diesen Wechsel aus Gesang und Instrumenten, dass beides einzeln und gleichzeitig gemeinsam nebeneinander so präsent und kraftvoll sein darf. Die Instrumente sind nicht einfach nur Begleitung sondern gleichrangig wie der Gesang. Und bei diesen Interludes zeigte sich auch wieder einmal besonders gut, wie eingespielt Porter und seine langjährigen Wegbegleiter sind. Das Bremer Publikum belohnte die Musiker immer wieder mit Zwischenapplaus. Danach wurde es mit einem meiner Lieblingssongs „Hey Laura“ ruhiger und erstmals so richtig romantisch.

Gregory Porter auf der Seebühne Bremen
Gregory Porter auf der Seebühne Bremen

Auch über „Water under bridges“ habe ich mich besonders gefreut. Er gehört ebenfalls zu meinen Lieblingssongs und es ist doch auch immer wieder spannend festzustellen, wie sich das Erleben von Musik immer wieder wandelt, je nach dem was einen im Leben gerade so bewegt. Ich kann sagen: This song, it hit different this time! Dazu passten dann auch „Bad girl love“ und „No love dying“.

Ebenfalls spannend: die Mischung im Publikum. Passend zum Jazz war das Durchschnittsalter erwartungsgemäß etwas höher. Wir haben so einige Gesichter gesehen, die auch schon das Konzert vor zwei Jahren genossen hatten. Andere wiederum erlebten Gregory Porter zum ersten Mal live und sogar einige extra angereiste internationale Fans waren vor Ort. Der einzige Wermutstropfen an diesem Abend war das Wetter. Es war an sich zwar schön – trocken und sonnig – aber auch recht windig und dadurch wirklich kalt. In gewisser Weise hat das aber auch gefühlt das gesamte Publikum zusammengeschworen und etwas näher zusammenrücken lassen. Wir saßen ja alle im selben Boot und haben es letzten Endes so gut es ging mit Humor genommen.

Auch das Miteinander auf der Bühne und mit dem Publikum fand ich wieder bemerkenswert. Die Auftritte von Gregory Porter sind emotional – bewegend, intensiv und lebendig – aber ohne dass auf der Bühne viel Bewegung herrscht. Es ist schon allein auf Grund der statischen, großen Instrumente nicht möglich und auch Porter selbst ist nicht gerade für ausschweifende Tanzmoves bekannt. Muss er aber auch nicht sein! Er strahlt einfach eine ungeheure Ruhe und Präsenz auf der Bühne aus und eine Verbundenheit mit der Band, die ihn nun schon über lange Jahre konsequent begleitet. Jeder der Musiker ist ein wahrer Könner seines Fachs bzw. seines Instruments und die Spielfreude ist ihnen immer noch anzusehen und zu spüren. Miteinander muss nicht immer laut und mit großen Gesten unterstrichen werden – hier reicht nach wie vor ein Blick, ein Schmunzler, ein kurzes Nicken und alle wissen Bescheid. Die Kommunikation mit dem Publikum ist stets leise, respektvoll und trotzdem nahbar und immer sehr charmant – alles in allem einfach eine ganz besondere Atmosphäre.

Selbstverständlich durften an diesem Abend auch „Liquid Spirit“ und „Take me to the Alley“ wiedermal nicht fehlen. Zum Ende des rund 90-minütigen Auftritts gab Gregory Porter noch das Sting-Cover „It´s probably me“ zum Besten und eines seiner eigenen Stücke „Real good hands“. Ein wundervoller Abschluss für einen wunderschönen Abend.

Gregory Porter auf der Seebühne Bremen
Gregory Porter auf der Seebühne Bremen

Fazit:

Für mich persönlich war dieser Abend wie ein geschlossener Kreis. Zum inne halten, dankbar auf vergangene Entwicklungen zurückzublicken, zu sehen wo man gerade steht und gleichzeitig zu wissen, dass dies noch lange nicht das Ende des Weges ist. Und um sich auf das Kommende zu freuen. Zum Beispiel auf den nächsten Auftritt von Gregory Porter, denn dass er nochmal wieder kommen MUSS, steht ja völlig außer Frage – schließlich ist dreimal Bremer Recht! 😉 Außerdem fühlt er sich in Bremen wohl, wie er selber erwähnte. Musikalisch ist es auch einfach immer eine Wohltat seiner außergewöhnlichen, warmen Baritonstimme zu lauschen und sich davon einhüllen zu lassen, als ob man sich in eine kuschelige Decke einmummelt – etwas was wir übrigens bei den doch sehr kühlen Temperaturen des Abends gerne wortwörtlich gemacht hätten. Diesen Tipp möchten wir euch somit auch besonders nahelegen: Decken mitzunehmen ist bei der Seebühne nämlich ausdrücklich erlaubt. Und da es dort öfters mal etwas windiger sein kann – gerade auf den oberen Rängen der Tribünen – auch absolut sinnig!

Zweiter Tipp: Sowohl Sicht als auch Tonqualität sind bei der Seebühne sehr platzabhängig! Sitzt man zum Beispiel sehr weit rechts vor der Bühne (mit Blick auf die Bühne) ist der Ton eher mau, dafür sieht man oftmals noch den Sonnenuntergang, was fürs Feeling natürlich wieder super ist. Oben auf den Rängen war die Sicht durch den Stand der Sonne aber tatsächlich lange Zeit sehr eingeschränkt (wenn man das Geschehen direkt auf der Bühne betrachten wollte und nicht nur die Leinwände), dafür war der Ton an sich aber gut – alles Dinge, die man gerade bei Open-Air-Veranstaltungen vielleicht bedenken sollte oder möchte.

Und dann – da haben wir’s wieder (Bremer Recht) – der dritte Tipp: Im Dezember könnt ihr Gregory Porter & Orchestra nochmal zu folgenden Terminen im erweiterten Bremer Umland bei der „The Spirit Of Christmas Tour 2026“ live erleben:

  • 07.12.2026, 20:00 Uhr Hannover, Kuppelsaal im HCC
  • 18.12.2026, 21:00 Uhr Hamburg, Elbphilharmonie, Großer Saal (derzeit ausverkauft, Warteliste + fanSALE von EVENTIM im Auge behalten)
Gregory Porter auf der Seebühne Bremen
Gregory Porter auf der Seebühne Bremen

Fotos: Sarah Fröhling