Auf ihrer „Europe Summer Tour“ machten „The Plot in You“ am vergangenen Montag Halt im Bremer Aladin. Mit nicht nur einer, sondern gleich zwei Vorbands im Gepäck – „Boundaries“ und „Rain City Drive“ – bekamen die begeisterten Fans statt eines einfachen Konzerts fast schon ein kleines Mini-Festival geboten.
Bei – rückblickend betrachtet – noch recht angenehmen Sommertemperaturen machte ich mich am Montagabend auf den Weg ins Aladin Bremen, um The Plot in You zu sehen, und ich kann nur sagen: Wow, was war das denn bitte für ein Abriss?! Ich war schon ewig nicht mehr in der Aladin Music Hall gewesen, kann die Location aber nach diesem Abend definitiv mal wieder weiterempfehlen. Das Interieur mit der Galerie, Kinosesseln und verschiedenen Bars gefiel mir schon früher und das Personal war von den Securities beim Einlass bis zu den Thekenkräften super freundlich. Fettes Shout-out schon allein dafür. Man sollte aber vielleicht wissen, dass man mittlerweile nur noch bargeldlos zahlen kann. Finde ich zwar blöd, aber gut, das ist halt meine persönliche Meinung. Ausverkauft war der Abend leider nicht, aber es tummelten sich trotzdem so viele Fans im Aladin, dass das Tivoli nebenan mit „angeschlossen“ war. Eine Besonderheit dieser Venue ist, dass beide Clubs getrennt voneinander oder eben wie an diesem Abend miteinander bespielt werden können. Und trotzdem war der untere Bereich bereits so voll, als ich ankam, dass ich mich gleich nach oben verzog. Dort hatte ich eine super Sicht auf die Bühne, musste aber leider Abstriche beim Ton machen. Zudem war es dann innen und besonders oben doch unfassbar heiß – für mich dennoch die beste Wahl, weil dort wenigstens Platz und zumindest gefühlt „Luft zum Atmen war“.
Rain City Drive
Die erste Band, Rain City Drive, dürfte mit den saunaähnlichen Temperaturen keine Probleme gehabt haben, schließlich stammen sie aus Palm Coast, Florida. Ich muss zugeben, ich habe von der eigentlich vierköpfigen Post-Hardcore-Formation vorher noch nie gehört, aber sie haben mich vom ersten Song an überzeugt und mir richtig gut gefallen. Sänger Matt McAndrew hat ´ne tolle Stimme, die er 2014 bereits bei „The Voice“ unter Beweis stellen konnte – lange bevor er 2019 in die Band eintrat, die damals noch „Slaves“ hieß. Und irgendwie passt diese TV-Casting-Vergangenheit zu meinem ersten Impuls, als die Band auf die Bühne kam, wo ich mir noch dachte: „Bisschen Shawn Mendes in Rock-Version.“ (Was ich tatsächlich durchaus positiv meine.) Ungefähr eine halbe Stunde lang heizten McAndrew, Colin Viera (E-Bass), Weston Richmond (Leadgitarre), Felipe Sanchez (Rhythmusgitarre) und Tour-Drummer Matt Arsenault dem Bremer Publikum schon ordentlich ein und brachten es sozusagen auf Betriebstemperatur. Ihre Mischung aus emotionalen, fast Pop-artigen Melodien und harten Gitarrenriffs kam in Bremen auf jeden Fall gut an. Schön, wenn bereits ein Voract so frenetisch gefeiert wird.
Boundaries
Um kurz vor neun betrat Boundaries die Bühne und zwar, wenn ich das so sagen darf, energetisch gleich mal mit einem Sprung ins Gesicht! Das Aladin verwandelte sich umgehend in einen Hexenkessel. Die amerikanische Metalcore-Band aus Hartford, Connecticut, brachte eine unfassbare Dynamik und Energie auf die Bühne. Wie die einzelnen Mitglieder – vor allem Sänger und Frontmann Matthew McDougal und Bassist Nathan Calcagno – umhersprangen bei der extremen Hitze, war fast unbegreiflich und unfassbar ansteckend. Kein Wunder, dass die Jungs 2025 bereits selbst als Headliner in Europa & UK begeistern konnten. Das „Open up the Mosh!“ der Band ließ sich die Menge jedenfalls nicht zweimal sagen. Und ich war froh, nicht dort unten mitten drin zu stehen – ich mag Moshpits nur aus sicherer Entfernung. Das Bremer Publikum hat Boundaries auf jeden Fall richtig hart abgefeiert. „Bremen, you are one of the craziest cities in Germany!“, gab die Band die ihnen entgegengebrachte Sympathie postwendend an die Fans zurück. „Thank you for making us feel at home“, bedankten sie sich außerdem, da sie zum ersten Mal in Bremen spielten und jede neue Stadt nach eigener Aussage erst einmal eine Herausforderung sei. Neben älteren Stücken spielten Boundaries auch Songs vom kommenden vierten Studioalbum „Yearning: The Unbeautiful After“, das am 17. Juli veröffentlicht werden wird. Mein Favorit war auf jeden Fall „Only Endless“ – allein die Zeile „I want you to know, I want you to know“ dürfte sicher auch Nicht-Metalheads bereits von Instagram bekannt sein.
The Plot in You
Um kurz vor zehn kam dann endlich The Plot in You auf die Bühne. Und was kaum möglich schien: Die Stimmung des Publikums schwoll noch mehr an! Die Atmosphäre im Aladin war unglaublich intensiv und geladen, aber auf eine positive Art. Die Metalcore-Band aus Ohio um Frontmann und Sänger Landon Tewers ist für ihre Mischung aus dynamischen Kontrasten zwischen aggressiven, tiefen Gitarrenriffs und ruhigeren, melodischen und atmosphärischen Passagen bekannt und genau das zeigten sie auch auf der Bühne. Dazu emotionale, authentische Texte und die klare Stimme Landons, die man selbst oben auf der Galerie sehr gut verstehen konnte – diese Gesamtkombi machte den Auftritt so besonders. Die Bremer Fans wiederum zeigten sich extrem textsicher, sangen und gröhlten lautstark fast jeden Song mit. So entstand eine ganz besondere Verbindung zwischen Band und Publikum. Tewers suchte immer wieder den Kontakt mit der Menge und stachelte sie an: „I need you at your worst behaviour! … Yeah, that’s what I’m talking about. Keep up that energy.“ Und lobte die Bremer:innen: „You’re all fucking wild.“ Etwas, das man uns Norddeutschen sonst ja nicht so nachsagt. Gut eine Stunde rockten Landon Tewers, Josh Childress (E-Gitarre), Ethan Yoder (E-Bass) und Mathis Arnell (Drums) das Bremer Aladin. Meine Song-Favoriten ganz klar: „THE ONE YOU LOVED“ und „FEEL NOTHING“.
Fazit
Richtig geiler Abend! Alle drei Bands waren irre energiegeladen und haben mich komplett überzeugen können. Von Rain City Drive hatte ich, wie bereits gesagt, vorher noch nie gehört, hat mir aber richtig gut gefallen! Melodisch, von den drei Bands die „softesten“ und trotzdem auf die Fresse und richtig coole, positive Energy. Die würde ich mir definitiv auch als Headliner anhören! Boundaries – härter, dunkler, mit viel Vibration und mehr Growl als Gesang – hatten eine unfassbare Energie auf der Bühne! Wie die da rumgesprungen und abgegangen sind, einfach Wahnsinn. Trotzdem gefiel mir persönlich RCD sogar etwas besser. Bei Boundaries habe ich mich zwischendurch kurz mal ausgeklinkt, was vielleicht aber auch einfach an der Hitze lag. Zum Tanzen haben mich trotzdem beide Bands gebracht! The Plot in You – ja, was soll ich sagen, die waren natürlich das Tüpfelchen auf dem i! Energetisch würde ich sie von den drei Bands in der Mitte einordnen und damit war es dann auch eigentlich genau die perfekte Mischung. Einfach irre gut! Der einzige Kritikpunkt, den ich habe und den auch Fans um mich herum bemängelt haben: Die Umbauphasen waren einfach zu lang. Grade bei der Hitze war es dann doch unangenehm, die ganze Zeit warten zu müssen – obwohl auf der Bühne gar nichts mehr passierte (umbautechnisch) – und der Abend wurde dadurch so unnötig in die Länge gezogen. Aber unterm Strich war es auf jeden Fall ein sehr heißer, intensiver Abend mit extremst guter Stimmung – auch nach dem Konzert habe ich draußen vor der Venue nur glückliche Gesichter und ein entspanntes Miteinander gesehen.







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